ZEN-KURSE 2027


Das Jahr 2027 rückt näher, und die Sensei sind am Vorbereiten der Kurse. Die Publikation aller Kurse erfolgt in Kürze, für einige kann man sich bereits anmelden.
Link zu den Kursen
 

Han im Lassalle-Haus


EINSTEIGEN INS ZEN

Information
Daten Einführungskurse

In unseren Kurshäusern und Zendos bieten wir Zen-Einführungskurse unterschiedlicher Länge an. Längere Zen-Einführungen ermöglichen dir bereits beim Einsteigen tiefer gehende Erfahrungen des Sitzens. Je nach Wohnort und zeitlichen sowie finanziellen Ressourcen können dir auch die eintägigen Kurse oder die Kurzeinführungen in den Zendo einen guten Einstieg ins Zen bieten. In allen Kursen wirst du von den Zen-Lehrenden beraten, welche Folge-Kurse für dich passen, und welche Voraussetzungen für längere Kurse wir empfehlen.
 

 

PLASTISCHES GESTALTEN AUS DER STILLE

ZenPuls 09/2026 – Bericht von Sara Kobi und Miriam Vögele

Am 29. August fand im Garten des Rebberg Zendo in Wettingen, für Praktizierende, die sich zum Teil noch keine längeren Zenkurse zutrauen, ein Anlass statt, bei dem Schweigen und die Zazenpraxis mit kreativer Handfertigkeit kombiniert wurden. Der Garten bot für beides einen passenden Rahmen. Unter Anleitung der Bildhauerin Sara Kobi wurde das plastische Arbeiten mit unterschiedlichen Materialien erprobt. Zur Auswahl standen Ton, Speckstein und Berner Sandstein. Die Teilnehmenden arbeiteten aus der Stille heraus. Vertieft darin, ohne vorgefasste Ideen, Vorstellungen und Absichten das gewählte Material zu bearbeiten. Miriam Vögele beschreibt ihren Prozess so: «Aus der Stille heraus beginnt eine offene Beziehung zum Stein. Zwischen grossflächigem Abtragen und feinem Feilen taucht die erste Ahnung einer Form auf. Nach diesem absichtslosen Arbeiten setzt die Phase der Formgebung ein: Konturen werden klarer, Linien festgelegt. Am Ende tritt eine überraschende Gestalt hervor. Sie wird den Mitstreiterinnen vorgestellt. Innerlich hat sich der offene Raum geweitet».

Eine weitere Möglichkeit, sich auf die Zen-Praxis einzulassen, sind die wiederholt stattfindenden Zen-Studientage. Dabei wird bereits deutlich mehr Zazen praktiziert. Neben den Vorträgen besteht zudem die Gelegenheit für Austausch aus der Stille.
 


ERNENNUNGSFEIER SEISEN

Bericht Klaus-Peter Wichmann

Am 30. Mai 2026 lud Klaus-Peter Wichmann zur öffentlichen Ernennungsfeier in die Propstei Wislikofen ein. Er hat 2025 von Dieter Wartenweiler Roshi die Dharma-Transmission und die Zen-Lehrbefugnis als Sensei erhalten. Sein Dharma-Name ist Seisen – „Ruhiger Fluss“. Die Feier fand in der alten Sakristei der Propstei statt, einem würdigen Kirchenraum, der an diesem sommerlich warmen Tag angenehm kühl blieb. Die Propstei Wislikofen, eingebettet in die ländliche Landschaft, bot einen stimmigen Rahmen für diesen besonderen Anlass. Nach dem traditionellen Einzug der Zelebrant*innen folgten die Begrüssung, Rezitationen und die zeremonielle Bestätigung der Transmission durch Dieter Wartenweiler Roshi. Der mit einer roten Decke geschmückte Altar erinnerte an den Vorgang der Geburt; dazu gehörte auch die Übergabe der fünf Gaben an den neuen Zen-Lehrer. Ein Musikstück leitete zum Apéro im Garten der Propstei über. Bei schönstem Wetter entstanden viele Begegnungen, lebhafte Gespräche und ein spürbarer Ausdruck von Verbundenheit.
 


DAS LEERE GEFÄSS

Hinweis im ZenPuls 05/2026 von Jürg Heldstab

Im Dokusan versuchen wir immer von Neuem, ES mit Worten zu beschreiben, irgendwie zu fassen, zu verstehen – und jeder Versuch scheitert, ja muss scheitern. Buddha hat bei den grossen Fragen geschwiegen. Auch Laotse würde schweigen, aber immerhin hat er einmal geschrieben: «Seisch DO, verschwindets.» (DO steht für Tao.) So steht es jedenfalls in der Mundart-Übersetzung des Tao Te King von Balts Nill. Sein sinniges Büchlein «vo wäge DO» ist bereits in der 3. Auflage im LOKWORT-Verlag, Bern, erschienen. Während der Text in zahlreichen Übersetzungen unergründlich dunkel bleibt, zeigt er in der Mundartfassung erstaunliche Kanten. Vers 4 – nochmals über das Tao – lautet: «DO / es läärs gfäss / für alls, wo / nid isch / u glych würkts / dür alles u jedes / kei ahnig / – himel – / vo wo». 

Das Tao ist jedenfalls nicht etwas von den Dingen Getrenntes, sondern eher das Unsichtbare, das alles bewegt. Auch die 80 übrigen Verse von Laotse kommen in der Übersetzung von Balts Nill mit wenigen Worten zum Kern.
 


WAS IST DER GEIST?

Bericht im ZenPuls 04/2026 von Christian Dillo 

Ich habe bei Meister Dōgen gelesen: «Was ist der wunderbare, klare und helle Geist? Er ist Berge, Flüsse und Erde, Sonne, Mond und Sterne.» Wie sollen wir das verstehen? Vielleicht sollten wir zunächst fragen: Wo ist der Geist? Die meisten von uns finden als Antwort etwas hinter den Augen oder zwischen den Ohren – einen Innenraum, in dem Gedanken auftauchen und sich Worte bilden. Privat, eingegrenzt, vage mit dem Gehirn gleichgesetzt. Das fühlt sich so selbstverständlich an, dass es kaum als Sichtweise auffällt. Es ist einfach so. Scheinbar. Aber es lohnt sich, ins unmittelbare Erleben zu gehen und genauer hinzuspüren. 

Fangen wir mit dem Atem an – nicht als Entspannungstechnik, sondern als Horizonterweiterung. Richte deine Aufmerksamkeit auf die Empfindungen des Ein- und Ausatmens: auf das Zwerchfell, das sich nach unten senkt, auf den sich weitenden Bauch und Brustkorb, auf die Pause, in der sich die Fülle ins Ausatmen und Loslassen verwandelt. Diese Aufmerksamkeit kann spürend durch den gesamten Körper reisen – bis in die Finger, bis in die Zehen. Was findet sich da? Eine Art Lebendigkeit, ein Summen, eine Wärme. Etwas ist unbestreitbar anwesend. Und wo ist das? Das, was sich der Lebendigkeit in deinem linken Fuss gewahr ist, sitzt nicht im Kopf. Es ist dort, wo die Empfindung ist. Jetzt die Sinne. Bemerke im stillen Sitzen das gesamte Sehfeld – nicht nur ein fokussiertes Objekt, sondern alles auf einmal, bis zu den peripheren Rändern. Lass den Klang hinzukommen: das gesamte Feld der Geräusche, den Klang der Stille inklusive. Ebenso den Geruch und die Empfindungen der Haut: ein Luftzug, das Gewicht des Körpers auf der Unterlage. Jedes dieser Sinnesfelder fügt unserer Erfahrung seine eigenen Pinselstriche hinzu – ein Gemälde im Entstehen, unvollendet und vollständig in jedem Moment. Wo ist jetzt der Geist?

Körperempfindungen, Sinneseindrücke und Gedanken erscheinen in etwas, das keine definierten Grenzen hat und niemandem gehört. Das ist kein Verlust. Es ist eine enorme Weitung. Wenn Dōgen sagt, der Geist sei «Berge, Flüsse und Erde, Sonne, Mond und Sterne», spricht er nicht metaphorisch. Er zeigt auf genau das, was du gerade erkundet hast.


 

ONLINE-ZAZEN VIA ZOOM

Hinweis im ZenPuls 04/2026 von Kevin Hill

In erster Linie begegne ich der Welt als Autodidakt – sowohl in meinem Berufsleben als auch im Umgang mit Alltagsproblemen und besonders in meiner kreativen Arbeit, der Malerei. Es ist definitiv nicht der einfachste Weg, vor allem, was das Lernen betrifft. Doch meinen eigenen Weg zu finden führt – so empfinde ich es – zu einem stabileren Ergebnis. Ähnlich ist es mit meinem Zugang zu den Meditationssitzungen. Die Meditation über Zoom ermöglicht es mir, eine für mich passende Sitzweise zu finden und meine Haltung auf eine leicht unorthodoxe, aber für mich angenehmere Weise anzupassen. Obwohl es sich um eine «Gemeinschaftssitzung» handelt, kann ich zum Beispiel gelegentlich eine etwas lautere Atemübung einbauen, ohne das Gefühl zu haben, jemanden zu stören. Ausserdem lege ich meine Hände lieber getrennt auf die Beine, mit aneinandergelegten Daumen und Zeigefingern, anstatt die klassische Haltung einzunehmen. Ich meditiere jeden Morgen eine halbe Stunde, würde mich jedoch eingeschränkt fühlen, wenn ich dies immer zu einer festgelegten Zeit tun müsste – das entscheide ich lieber spontan. Dennoch halte ich es für sehr wichtig, die Disziplin der wöchentlichen Zoom-Sitzungen beizubehalten. Diese Routine der letzten Jahre hat meinen inneren Frieden deutlich gestärkt. Es gibt mehr als genug Sorgen, die Stress auslösen könnten, und dank der Unterstützung durch die Zoom-Meditationen gehe ich damit spürbar gelassener um.


AUF DEM MARKTPLATZ

Erfahrungsbericht im ZenPuls 02/2026 von Christoph Müller

Am Ende der Ochsengeschichte wartet der Marktplatz. Ich betrat ihn während des verlängerten Zazenkais bei Peter Widmer in Basel. «Nehmt die Stadt als Übung», gibt er uns nach dem letzten Gongschlag mit auf den Weg. Als naiver Ochse bin ich mir nicht im Klaren über die Verhältnisse auf dem Claraplatz. Daher grosse Verwunderung, als mir dort Kokain angeboten wird. Dankend lehne ich ab und weise darauf hin, dass ich etwas anderes habe. «Was denn?» – «Zen.» – «Wo gibt’s denn das?» – «Dort drüben im Zendo», entgegne ich und gehe weiter. Um die Ecke: mein Self-Check-in-Hotel. Zwei Damen machen mir ein explizites Angebot – um meine Anhaftungen zu prüfen. «Danke, ich ziehe Zen vor.» – «Wirklich?» – Schwer zu sagen, denke ich, und gehe meines Weges. Der Marktplatz ist mein Tempel.


AWARE

Beitrag im ZenPuls 11/2025 von Ursula Popp

Die wichtigste Übung im Zen ist, wie wir alle wissen, das Sitzen, Zazen. Doch wie kann sich diese Übung im Alltag, im Handeln, zeigen? Meister Dōgen hat im 13. Jahrhundert unzählige detaillierte Angaben dazu gemacht. Ich vermute aber, dass diese von wenigen Zen-Schüler*innen studiert werden, auch weil sie für ein monastisches Leben bestimmt sind. So kommt immer wieder die Frage auf, wie sich diese Übung im Alltag zeigt und Wirkung hat. Nicole Baden Rōshi hat in ihrem Vortrag an der Zen-Tagung ein zeitgemässes Schema dafür vorgestellt: AWARE.

A   für Aware: Setze einen Anker in deine präsente Aufmerksamkeit.
W  für Willkommen: Heisse die Situation genau so willkommen, wie sie jetzt ist.
A  für Aktivierung: Rufe deinen höchsten Wert* hervor, um danach das Handeln zu planen.
R  für Release: Lass all deine eigenen Vorstellungen von einem Resultat los.
E  für Entstehende Handlung, die aus dem Obigen spontan entsteht.
    * 
Unter «höchstem Wert» wird verstanden, wie ich im Idealfall handeln würde.

Um sich mit dieser Übung vertraut zu machen, kann man dieses Schema auf vergangene Ereignisse anwenden, um es dann in aktuellen Situationen anzuwenden.
 

Nicole Baden an der Zen-Tagung


VIDEO UND BLOG ZEN-TAGUNG

Rückschau
Vom 25. bis 28. September 2025 fand im Landguet Ried bei Bern die Zen-Tagung unserer Linie statt, die von zahlreichen Interessierten besucht wurde. Geleitet von Peter Widmer, Ursula Popp und Jürgen Lembke, bot die Zusammenkunft ein reiches Programm mit Vorträgen und Workshops und wurde umrahmt von der Musik der Flötistin Silvia Berchtold. Gert Scobel, Nicole Baden, Christian Dillo, Angela Geissler, Manfred Rosen, Almut-Barbara Renger und Thomas Metzinger erläuterten nach einem Grusswort von Niklaus Brantschen und dem Eröffnungsvortrag von Peter Widmer ihre Thesen zu "Zen und die Zukunft".
Den Link zu den Videos der Vorträge, die ihr erwerben könnt, und den fortlaufend publizierten Blog-Beiträgen von Peter Widmer findet ihr auf der Tagungs-Webseite.
 

Sangha der Tagung "Zen und die Zukunft"


FLUSS UND BERGE

Sesshin im Melchtal mit Jürgen Lembke

Bericht von Jürgen Lembke

Mitte September 2025 durfte ich im Alten Kurhaus Melchtal, wo ich früher wohnte, das lange September-Sesshin abhalten. Ursprünglich als Sonderformat im Programm des Lassalle-Hauses geplant, waren Teilnehmende eingeladen, entweder von Sonntag bis Sonntag oder am Donnerstag ein- oder auszusteigen. Obwohl ich unter der Leitung von Genro Gauntt Roshi dort schon manches Sesshin durchgeführt habe, war es etwas Besonderes, das Sesshin mit wenigen Modifikationen nach den Abläufen unserer Linie abzuhalten. Eine wichtige Neuerung war das gemeinsame Kinhin im Freien entlang der Melchaa, wo wir auch mal innehielten, um am Fuss eines Wasserfalls Zazen zu praktizieren. Dabei war ich mit den frühen Ch’an-Meistern verbunden, die in zahlreichen Tuschmalereien die Durchdringung von Absenz und Präsenz, Leere und Form wiederzugeben suchten.
Erfahrungsbericht von Nicole Zeiter
 


 

ARCHIV 

Zen-Konferenz 2022 und 2025

Link zu den Berichten mit Fotos und Videos