
In unseren Kurshäusern und Zendos bieten wir Zen-Einführungskurse unterschiedlicher Länge an. Längere Zen-Einführungen ermöglichen dir bereits beim Einsteigen tiefer gehende Erfahrungen des Sitzens. Je nach Wohnort und zeitlichen sowie finanziellen Ressourcen können dir auch die eintägigen Kurse oder die Kurzeinführungen in den Zendo einen guten Einstieg ins Zen bieten. In allen Kursen wirst du von den Zen-Lehrenden beraten, welche Folge-Kurse für dich passen, und welche Voraussetzungen für längere Kurse wir empfehlen.

ZenPuls 09/2026 – Bericht von Sara Kobi und Miriam Vögele
Am 29. August fand im Garten des Rebberg Zendo in Wettingen, für Praktizierende, die sich zum Teil noch keine längeren Zenkurse zutrauen, ein Anlass statt, bei dem Schweigen und die Zazenpraxis mit kreativer Handfertigkeit kombiniert wurden. Der Garten bot für beides einen passenden Rahmen. Unter Anleitung der Bildhauerin Sara Kobi wurde das plastische Arbeiten mit unterschiedlichen Materialien erprobt. Zur Auswahl standen Ton, Speckstein und Berner Sandstein. Die Teilnehmenden arbeiteten aus der Stille heraus. Vertieft darin, ohne vorgefasste Ideen, Vorstellungen und Absichten das gewählte Material zu bearbeiten. Miriam Vögele beschreibt ihren Prozess so: «Aus der Stille heraus beginnt eine offene Beziehung zum Stein. Zwischen grossflächigem Abtragen und feinem Feilen taucht die erste Ahnung einer Form auf. Nach diesem absichtslosen Arbeiten setzt die Phase der Formgebung ein: Konturen werden klarer, Linien festgelegt. Am Ende tritt eine überraschende Gestalt hervor. Sie wird den Mitstreiterinnen vorgestellt. Innerlich hat sich der offene Raum geweitet».
Eine weitere Möglichkeit, sich auf die Zen-Praxis einzulassen, sind die wiederholt stattfindenden Zen-Studientage. Dabei wird bereits deutlich mehr Zazen praktiziert. Neben den Vorträgen besteht zudem die Gelegenheit für Austausch aus der Stille.

Aug. 2026 – Bericht von Kathrin Stotz
Barbara Wegmüller ist Zen-Meisterin in der Nachfolge von Bernie Glassman. Wir durften sie willkommen heissen im Zen-Forum mit dem Thema "Wie handeln Zen Peacemakers?", das von Jürg Heldstab mitgeleitet wurde. Barbara gestaltete den Abend aus einem Geist grosser Liebe und weiblicher Lebenserfahrung. Durch ihre Begegnung mit Glassman in einem Auschwitz-Retreat wurde sie neben ihrem Zen-Weg zur politisch und sozial aktiven Frau und vertritt mit dem Zen-Peacemaker-Orden einen sozial und politisch engagierten Buddhismus. Zen als Lehre jenseits der Worte realisiert und zeigt sich nach ihrem und Bernies Verständnis im Tun, nicht im Reden. Mich hat ihre Ausstrahlung fasziniert und ihre Haltung beeindruckt – und zu einem umgehenden Schritt ins politische Handeln angeregt.
Dass die Haltung der Peacemaker*innen unserer ersten Natur entspricht, wussten schon daoistische Weise: "Die Leute taten das Rechte und wussten nicht, dass das Gerechtigkeit heisst. Sie waren gut zueinander und wussten nicht, dass das Menschlichkeit heisst. ... Sie baten einander um Hilfe und wussten nicht, dass das Hilfsbereitschaft heisst. Darum liess ihr Tun keine Spuren zurück, und ihre Geschehnisse wurden nicht verzeichnet." Eine solche Haltung führt nicht zu Status, wohl aber zu Reputation in der menschlichen Gemeinschaft. Wir sind aufeinander angewiesen – Sanghas haben dafür ein gutes Sensorium!

Hinweis von Kathrin Stotz
Mit dem INNEHALT (Stiftung Zentrum am Neumarkt, Winterthur) ist im Zentrum von Winterthur ein neuer Raum entstanden, der Zazen unter der Woche anbietet. Die Sitzgruppe am Freitag Morgen wird von Regula Schmid geleitet, die im Zendo Inneres Lind bei KAthrin Stotz seit Jahren den Zen-Weg geht und als Assistentin und Co-Leiterin mitwirkt. Sie ist Geschäftsführerin der Stiftung Zentrum am Neumarkt, Co-Leiterin des Innehalt und hat mitgeholfen, den wunderschönen und inspirierenden Ort aufzubauen. Seine Geschichte und die Angebote kannst du mit diesem Link kennenlernen. Du bist herzlich eingeladen, am Zazen am Freitag Morgen teilzunehmen.

URSULA POPP
Zen und Atem in der Propstei Wislikofen, 14. bis 19. Nov. 2026
ROLAND HISCHIER
Sesshin im Hotel Ofenhorn, Binn, 18. bis 22. Okt. 2026
JÜRG HELDSTAB
Sesshin im Berghotel Sterna, Feldis, 23. bis 27. Nov. 2026
Alle Kurse

ZenPuls 07/2026 – Bericht von Silvia Livio
Was heisst für mich Mitgefühl? Bei wem fällt es mir schwer, Mitgefühl zu empfinden? Oder wo im Körper spüre ich es? Friederike Boissevain fordert uns auf, Fragen wie diese spontan zu beantworten. Beim Austausch in der Gruppe zeigt sich, wie vielfältig gefärbt Mitgefühl sein kann – je nachdem, auf wen es in welcher Situation ausgerichtet ist. So üben wir, unterschiedlichste Perspektiven einzunehmen, und vertiefen damit das, worüber uns zuvor die beiden Gäste des Zen-Forums vom 7. Juli 2026 zum Thema Fürsorge berichteten. Die beiden Referierenden, das Ärztepaar Friederike Juen Boissevain (Zen-Meisterin und Philosophin) sowie Harald Nanzan Schöcklmann (Zen-Meister), sind Dharma-Nachfolger von Hozan Alan Senauke in der Linie von Shunryu Suzuki Roshi. Ihre Präsenz und ihr ungewöhnlicher Werdegang haben mich zutiefst beeindruckt, ganz besonders Friederikes Aussage: „Fürsorge ist nichts, was wir auch noch tun müssen, sie ist in uns, ist unsere Muttersprache“. (Danke!) Und jedes Mal, wenn im Zusammenhang mit Mitgefühl bei mir Unbehagen auftaucht, das mich am Handeln hindert, werde ich an Harald denken.
Bericht von Ursula Popp
Vor zwei Wochen durfte ich zum ersten Mal am jährlichen Treffen der White Plum Asanga teilnehmen, von der ich ein Teil bin. Der beeindruckende Anlass mit über vierzig Zen-Lehrenden fand im wunderbaren, weitläufigen Zen River Tempel in Uithuizen in Holland statt. Der internationale Austausch hat mich angeregt und beflügelt. Die Rezitationen fielen besonders toll aus: über vierzig Personen mit kräftigen Stimmen, welche die meisten Sutra auswendig konnten und die verschiedensten Instrumente spielten, liessen unsere Körper vibrieren und lachen.
Das Treffen war der Erinnerung an Taizan Maezumi Roshi gewidmet. Beeindruckt haben mich die Erzählungen, wie Maezumi sein Leben ausschliesslich der Weitergabe der Lehre von Buddha gewidmet hat. Der Kontakt mit ihm muss elektrifizierend und motivierend gewesen sein. Natürlich wurden auch seine dunklen Seiten besprochen, die zur Folge hatten, dass die White Plum Asanga ganz besonders auf ethisches Verhalten der Lehrenden achtet. Tenzei Copper Roshi und seine Frau Myoho Gabrisch, die Gründer und Leiter des Zen River Tempels, sind der Lehre ebenso verpflichtet. Sie vertiefen und ergänzen sie mit Fröhlichkeit, Gastfreundschaft und mit ihren musikalischen Talenten, was ich schön und erfrischend fand.
Bernie Glassman, der unserer Linie den Namen gegeben hat, hat ebenfalls Transmission von Maezumi Roshi erhalten. Seine Haltung des «nicht wissen – Anteil nehmen – heilende Handlung» ist mir besonders wichtig. Diesen Ansatz durfte ich auch am Treffen erfahren. Da ich so lange in Amerika gewohnt und gewirkt habe, bin ich immer besonders dankbar, mich mit Menschen von dort austauschen zu können.


Bericht Klaus-Peter Wichmann
Am 30. Mai 2026 lud Klaus-Peter Wichmann zur öffentlichen Ernennungsfeier in die Propstei Wislikofen ein. Er hat 2025 von Dieter Wartenweiler Roshi die Dharma-Transmission und die Zen-Lehrbefugnis als Sensei erhalten. Sein Dharma-Name ist Seisen – „Ruhiger Fluss“. Die Feier fand in der alten Sakristei der Propstei statt, einem würdigen Kirchenraum, der an diesem sommerlich warmen Tag angenehm kühl blieb. Die Propstei Wislikofen, eingebettet in die ländliche Landschaft, bot einen stimmigen Rahmen für diesen besonderen Anlass. Nach dem traditionellen Einzug der Zelebrant*innen folgten die Begrüssung, Rezitationen und die zeremonielle Bestätigung der Transmission durch Dieter Wartenweiler Roshi. Der mit einer roten Decke geschmückte Altar erinnerte an den Vorgang der Geburt; dazu gehörte auch die Übergabe der fünf Gaben an den neuen Zen-Lehrer. Ein Musikstück leitete zum Apéro im Garten der Propstei über. Bei schönstem Wetter entstanden viele Begegnungen, lebhafte Gespräche und ein spürbarer Ausdruck von Verbundenheit.

Hinweis im ZenPuls 05/2026 von Jürg Heldstab
Im Dokusan versuchen wir immer von Neuem, ES mit Worten zu beschreiben, irgendwie zu fassen, zu verstehen – und jeder Versuch scheitert, ja muss scheitern. Buddha hat bei den grossen Fragen geschwiegen. Auch Laotse würde schweigen, aber immerhin hat er einmal geschrieben: «Seisch DO, verschwindets.» (DO steht für Tao.) So steht es jedenfalls in der Mundart-Übersetzung des Tao Te King von Balts Nill. Sein sinniges Büchlein «vo wäge DO» ist bereits in der 3. Auflage im LOKWORT-Verlag, Bern, erschienen. Während der Text in zahlreichen Übersetzungen unergründlich dunkel bleibt, zeigt er in der Mundartfassung erstaunliche Kanten. Vers 4 – nochmals über das Tao – lautet: «DO / es läärs gfäss / für alls, wo / nid isch / u glych würkts / dür alles u jedes / kei ahnig / – himel – / vo wo».
Das Tao ist jedenfalls nicht etwas von den Dingen Getrenntes, sondern eher das Unsichtbare, das alles bewegt. Auch die 80 übrigen Verse von Laotse kommen in der Übersetzung von Balts Nill mit wenigen Worten zum Kern.

Bericht von Kathrin Stotz – Mai 2026
Wie unsere eigene Linie hat die Zen-Linie "Leere Wolke" ihre ältesten Wurzeln in der Lehre Yamada Koun Roshis – Willigis Jäger und Niklaus Brantschen sassen in der Koan-Schulung im gleichen Zendo in Kamakura, Japan. Als freundlich willkommen geheissener Gast am Kenshukai, dem fünftägigen jährlichen Lehrenden-Treffen am Benediktushof, konnte ich wertvolle Beobachtungen machen dazu, wie sich die Linie neu positioniert und weiterentwickelt hat.
In einem mehrjährigen Prozess haben die fünf Meister*innen auf der Grundlage der ältesten Lehrreden Buddhas und der chinesischen Ursprungstexte des Chan Thesen erarbeitet, wie der Kern des Zen benannt werden kann, und sie nach Überarbeitung durch die Lehrenden-Sangha zur Basis des Lehrens erklärt. Die Linie ist seit einem Jahr mit demokratischen Strukturen unterwegs: Neben der spirituellen Leitung durch die Zenmeister*innen wurden ein Linien-Rat, ein Organisationsteam und fünf Arbeitsgruppen gegründet, in denen alle Lehrenden die Thesen des ersten Bandes auf Alltagsthemen beziehen und in Zoom-Meetings gemeinsam in einen Raum des Fragens und Forschens eintreten.
Nicht wenige Lehrende sind durch die Schulung bei Willigis Jäger mit einem christlich geprägten Zen unterwegs, manche haben sich nie in buddhistische Texte vertieft. Dies führte in der Lehrenden-Sangha zu Auseinandersetzungen, wie Zen denn nun zu verstehen sei, wenn man die fernöstliche Überlieferung tiefer anschaut und würdigt. Was passiert, wenn die Ursprungstexte neu entdeckt und studiert werden? Nicht alle Lehrenden wollten sich dem öffnen, eine grössere Gruppe hat opponiert und sich aus der Linie zurückgezogen.
Für mich war es eine schöne Herausforderung und Bereicherung, das Gefäss der eigenen Linie zu verlassen und mich in der nachbarlichen Sangha auf viele Begegnungen, spannende Gespräche und ein genaues Zuhören einzulassen.

Tee-Zeremonie im Zen-Forum, mit Mulan Sun Buschor – April 2026
Auf der kleinen Theaterbühne erschien an diesem Abend ein bezaubernder Teeraum, dessen Zubehör Mulan Sun Buschor aus ihrer Winterthurer Tee-Schule Kōshin-an (向心庵) nach Zürich mitgebracht hatte. Die Teemeisterin, Zen-Meditierende und Architektin liess uns in der japanischen Teezeremonie Zen im Alltag sinnlich und spirituell erleben.
Mulan wurde unterstützt von ihrem Tee-Kollegen Nico Colic, der selber auf diesem spirituellen Weg unterwegs ist. Gast und Gastgeberin liessen uns am harmonisch fliessenden zeremoniellen Zusammenwirken teilnehmen. So wurde "Chan (Zen) und Tee in einer Einheit" für die Zuschauenden mit allen Sinnen wahrnehmbar. Die Hingabe an die vorgegebenen Abläufe, Gesten und Rituale befreit von Selbstbezüglichkeit, sie führt zu einer Selbstvergessenheit, die auch den Kern des Zen ausmacht.
In vier Kreisen wurden wir anschliessend alle zu Gast und Gastgeber*in, indem wir einander Tee zubereiteten, zum Verkosten des feinen japanischen Gebäcks einluden, das Mulan kreiiert hat, und in den Genuss von Speise und Trank kamen. Der Zusammenhang zwischen Zen und Tee wurde von Mulan gegen Ende des Forums in einem Vortrag angedeutet, der unser Interesse für die Grundlagen des Zusammenlebens im Sinne des Chado (Teewegs) zu wecken vermochte.

Bericht im ZenPuls 04/2026 von Christian Dillo
Ich habe bei Meister Dōgen gelesen: «Was ist der wunderbare, klare und helle Geist? Er ist Berge, Flüsse und Erde, Sonne, Mond und Sterne.» Wie sollen wir das verstehen? Vielleicht sollten wir zunächst fragen: Wo ist der Geist? Die meisten von uns finden als Antwort etwas hinter den Augen oder zwischen den Ohren – einen Innenraum, in dem Gedanken auftauchen und sich Worte bilden. Privat, eingegrenzt, vage mit dem Gehirn gleichgesetzt. Das fühlt sich so selbstverständlich an, dass es kaum als Sichtweise auffällt. Es ist einfach so. Scheinbar. Aber es lohnt sich, ins unmittelbare Erleben zu gehen und genauer hinzuspüren.
Fangen wir mit dem Atem an – nicht als Entspannungstechnik, sondern als Horizonterweiterung. Richte deine Aufmerksamkeit auf die Empfindungen des Ein- und Ausatmens: auf das Zwerchfell, das sich nach unten senkt, auf den sich weitenden Bauch und Brustkorb, auf die Pause, in der sich die Fülle ins Ausatmen und Loslassen verwandelt. Diese Aufmerksamkeit kann spürend durch den gesamten Körper reisen – bis in die Finger, bis in die Zehen. Was findet sich da? Eine Art Lebendigkeit, ein Summen, eine Wärme. Etwas ist unbestreitbar anwesend. Und wo ist das? Das, was sich der Lebendigkeit in deinem linken Fuss gewahr ist, sitzt nicht im Kopf. Es ist dort, wo die Empfindung ist. Jetzt die Sinne. Bemerke im stillen Sitzen das gesamte Sehfeld – nicht nur ein fokussiertes Objekt, sondern alles auf einmal, bis zu den peripheren Rändern. Lass den Klang hinzukommen: das gesamte Feld der Geräusche, den Klang der Stille inklusive. Ebenso den Geruch und die Empfindungen der Haut: ein Luftzug, das Gewicht des Körpers auf der Unterlage. Jedes dieser Sinnesfelder fügt unserer Erfahrung seine eigenen Pinselstriche hinzu – ein Gemälde im Entstehen, unvollendet und vollständig in jedem Moment. Wo ist jetzt der Geist?
Körperempfindungen, Sinneseindrücke und Gedanken erscheinen in etwas, das keine definierten Grenzen hat und niemandem gehört. Das ist kein Verlust. Es ist eine enorme Weitung. Wenn Dōgen sagt, der Geist sei «Berge, Flüsse und Erde, Sonne, Mond und Sterne», spricht er nicht metaphorisch. Er zeigt auf genau das, was du gerade erkundet hast.

Hinweis im ZenPuls 04/2026 von Kevin Hill
In erster Linie begegne ich der Welt als Autodidakt – sowohl in meinem Berufsleben als auch im Umgang mit Alltagsproblemen und besonders in meiner kreativen Arbeit, der Malerei. Es ist definitiv nicht der einfachste Weg, vor allem, was das Lernen betrifft. Doch meinen eigenen Weg zu finden führt – so empfinde ich es – zu einem stabileren Ergebnis. Ähnlich ist es mit meinem Zugang zu den Meditationssitzungen. Die Meditation über Zoom ermöglicht es mir, eine für mich passende Sitzweise zu finden und meine Haltung auf eine leicht unorthodoxe, aber für mich angenehmere Weise anzupassen. Obwohl es sich um eine «Gemeinschaftssitzung» handelt, kann ich zum Beispiel gelegentlich eine etwas lautere Atemübung einbauen, ohne das Gefühl zu haben, jemanden zu stören. Ausserdem lege ich meine Hände lieber getrennt auf die Beine, mit aneinandergelegten Daumen und Zeigefingern, anstatt die klassische Haltung einzunehmen. Ich meditiere jeden Morgen eine halbe Stunde, würde mich jedoch eingeschränkt fühlen, wenn ich dies immer zu einer festgelegten Zeit tun müsste – das entscheide ich lieber spontan. Dennoch halte ich es für sehr wichtig, die Disziplin der wöchentlichen Zoom-Sitzungen beizubehalten. Diese Routine der letzten Jahre hat meinen inneren Frieden deutlich gestärkt. Es gibt mehr als genug Sorgen, die Stress auslösen könnten, und dank der Unterstützung durch die Zoom-Meditationen gehe ich damit spürbar gelassener um.
Erfahrungsbericht im ZenPuls 02/2026 von Christoph Müller
Am Ende der Ochsengeschichte wartet der Marktplatz. Ich betrat ihn während des verlängerten Zazenkais bei Peter Widmer in Basel. «Nehmt die Stadt als Übung», gibt er uns nach dem letzten Gongschlag mit auf den Weg. Als naiver Ochse bin ich mir nicht im Klaren über die Verhältnisse auf dem Claraplatz. Daher grosse Verwunderung, als mir dort Kokain angeboten wird. Dankend lehne ich ab und weise darauf hin, dass ich etwas anderes habe. «Was denn?» – «Zen.» – «Wo gibt’s denn das?» – «Dort drüben im Zendo», entgegne ich und gehe weiter. Um die Ecke: mein Self-Check-in-Hotel. Zwei Damen machen mir ein explizites Angebot – um meine Anhaftungen zu prüfen. «Danke, ich ziehe Zen vor.» – «Wirklich?» – Schwer zu sagen, denke ich, und gehe meines Weges. Der Marktplatz ist mein Tempel.
Beitrag im ZenPuls 11/2025 von Ursula Popp
Die wichtigste Übung im Zen ist, wie wir alle wissen, das Sitzen, Zazen. Doch wie kann sich diese Übung im Alltag, im Handeln, zeigen? Meister Dōgen hat im 13. Jahrhundert unzählige detaillierte Angaben dazu gemacht. Ich vermute aber, dass diese von wenigen Zen-Schüler*innen studiert werden, auch weil sie für ein monastisches Leben bestimmt sind. So kommt immer wieder die Frage auf, wie sich diese Übung im Alltag zeigt und Wirkung hat. Nicole Baden Rōshi hat in ihrem Vortrag an der Zen-Tagung ein zeitgemässes Schema dafür vorgestellt: AWARE.
A für Aware: Setze einen Anker in deine präsente Aufmerksamkeit.
W für Willkommen: Heisse die Situation genau so willkommen, wie sie jetzt ist.
A für Aktivierung: Rufe deinen höchsten Wert* hervor, um danach das Handeln zu planen.
R für Release: Lass all deine eigenen Vorstellungen von einem Resultat los.
E für Entstehende Handlung, die aus dem Obigen spontan entsteht.
* Unter «höchstem Wert» wird verstanden, wie ich im Idealfall handeln würde.
Um sich mit dieser Übung vertraut zu machen, kann man dieses Schema auf vergangene Ereignisse anwenden, um es dann in aktuellen Situationen anzuwenden.
Rückschau
Vom 25. bis 28. September 2025 fand im Landguet Ried bei Bern die Zen-Tagung unserer Linie statt, die von zahlreichen Interessierten besucht wurde. Geleitet von Peter Widmer, Ursula Popp und Jürgen Lembke, bot die Zusammenkunft ein reiches Programm mit Vorträgen und Workshops und wurde umrahmt von der Musik der Flötistin Silvia Berchtold. Gert Scobel, Nicole Baden, Christian Dillo, Angela Geissler, Manfred Rosen, Almut-Barbara Renger und Thomas Metzinger erläuterten nach einem Grusswort von Niklaus Brantschen und dem Eröffnungsvortrag von Peter Widmer ihre Thesen zu "Zen und die Zukunft".
Den Link zu den Videos der Vorträge, die ihr erwerben könnt, und den fortlaufend publizierten Blog-Beiträgen von Peter Widmer findet ihr auf der Tagungs-Webseite.

Eröffnung Herbst 2025
In Schaffhausen hat ein neues Zendo seine Tore geöffnet, es trägt den Spiritus Loci im Namen: Ursula Popp leitet seit dem Herbst 2025 das Zendo am Rhy. Es bietet einer lokalen Sangha und Interessierten aus dem weiteren Umfeld mit einem breiten Angebot Raum für die stille Einkehr. Du kannst im Zendo am Dienstag Abend (19.30 bis 21.00 Uhr) und am Freitag Morgen (06.30 bis 07.30 Uhr) an der Zen-Meditation teilnehmen. Es werden auch eintägige Zazenkai und Zen-Einführungen angeboten. Die Webseite informiert dich zudem über die externen Kurse von Ursula Popp in der Propstei Wislikofen.
Bericht von Jürgen Lembke
Mitte September 2025 durfte ich im Alten Kurhaus Melchtal, wo ich früher wohnte, das lange September-Sesshin abhalten. Ursprünglich als Sonderformat im Programm des Lassalle-Hauses geplant, waren Teilnehmende eingeladen, entweder von Sonntag bis Sonntag oder am Donnerstag ein- oder auszusteigen. Obwohl ich unter der Leitung von Genro Gauntt Roshi dort schon manches Sesshin durchgeführt habe, war es etwas Besonderes, das Sesshin mit wenigen Modifikationen nach den Abläufen unserer Linie abzuhalten. Eine wichtige Neuerung war das gemeinsame Kinhin im Freien entlang der Melchaa, wo wir auch mal innehielten, um am Fuss eines Wasserfalls Zazen zu praktizieren. Dabei war ich mit den frühen Ch’an-Meistern verbunden, die in zahlreichen Tuschmalereien die Durchdringung von Absenz und Präsenz, Leere und Form wiederzugeben suchten.
Erfahrungsbericht von Nicole Zeiter

Rückschau
Am 20. September 2025 wurde das Zendo Balzers mit seinem Meditationsraum und dem Zen-Garten eingeweiht, Räumlichkeiten, welche in schöner Weise eine moderne Architektursprache mit der japanischen Tradition verbinden. Zugleich wurde die öffentliche Transmission von Roland Frick zum Zen-Lehrer vollzogen, geleitet von Dieter Wartenweiler Roshi. Bei schönstem Wetter fanden zahlreiche Gäste im und um das neue Zendo Raum. Wir wünschen der Sangha von Balzers ein inspiriertes Zazen und für die Zukunft mit Zazenkai und Sesshin einen dichten und innigen Zen-Weg, begleitet vom frisch autorisierten Sensei Roland Frick.
